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Hiatushernien und die Hill Klassifikation

Priv.-Doz. Dr. med. F. Seyfried, Jana May

Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Allgemein-,Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie Universitätsklinikum Würzburg

Die Herniation des Magens durch den Hiatus oesophagei in das Mediastinum wird als Hiatushernie bezeichnet und ist ein häufig gefundener Zufallsbefund während einer Gastroskopie. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter und bei erhöhtem intraabdominellen Druck (Adipositas, Schwangerschaft). Des Weiteren stellt das männliche Geschlecht ein Risikofaktor für das Vorliegen einer Hiatushernie dar [1].

Unterschieden werden drei Arten von Hiatushernien.

Die axiale Hiatushernie (Synonym: axiale Gleithernie, Hiatushernie Typ I), bei welcher der gastroösophageale Übergang und ggf. die Kardia nach supradiagphragmal „gleitet“, ist mit > 90 % die häufigste Form. Je nach Ausprägung kann dies eine räumliche Dissoziation des komplexen Schließmuskelapparates, bestehend aus den Zwerchfellschenkeln (Crura oesophagei) und glatter Wandmuskulatur der Kardia) zur Folge haben. Dies kann zu einer Insuffizienz der Schließmuskelfunktion im Bereich des unteren Ösophagussphinkters führen. Die axiale Hiatushernie kann, muss aber nicht mit einer gastroösophagealen Refluxerkrankung assoziiert sein. Eine Behandlungsindikation der axialen Hiatushernie besteht nur bei funktionell bewiesener Refluxerkrankung, einer sekundären Ösophagusmotilitätsstörung oder Volumenreflux.

Sobald andere Anteile des Magens als der gastroösophageale Übergang oder respektive die Kardia nach supradiaphragmal hernieren, und damit neben der Speiseröhre zu liegen kommen, spricht man von paraösophagealen Hiatushernien (Synonym: Hiatushernie Typ II). Die Maximalvariente stellt der vollständige Thoraxmagen (sog. Upside-down stomach) dar.

Liegt eine Mischform aus axialer Gleithernie und paraösophagealer Hernie vor, handelt es sich um eine Typ III Hiatushernie.

Hiatushernien Typ II und III sind deutlich seltener und stellen aufgrund ihrer möglichen Komplikationen (Chronische Blutungen, Anämie, Inkarzeration) grundsätzlich eine Operationsindikation dar.

Um eine präzisere Aussage über die Kompetenz des ösophagogastralen Schließmechanismus zu ermöglichen, beschrieben Hill et al. 1996 eine praktikable Einteilung. Hierbei wird in Inversion die gastroösophageale Klappe inspiziert und in vier Klassen eingeteilt [2].

Hill I: Wallartige gastroösophageale Klappe, stets fester Schluss um das Endoskop

Hill II: Gastroösophageale Klappe weniger ausgeprägt, atemabhängig auch unvollständiger Schluss des Endoskops um die Kardia

Hill III: Gastroösophageale Klappe kaum noch vorhanden, kein Schluss um Endoskop

Hill IV: Gastroösophageale Klappe nicht mehr vorhanden, dauerhafte Öffnung des gastroösophagealen Übergangs

Zeichnungen:

Widder, Anna Widder_A@ukw.de

Literatur:

  1. Menon, S. and N. Trudgill, Risk factors in the aetiology of hiatus hernia: a meta-analysis. Eur J Gastroenterol Hepatol, 2011. 23(2): p. 133-8.
  2. Hill, L.D. and R.A. Kozarek, The gastroesophageal flap valve. J Clin Gastroenterol, 1999. 28(3): p. 194-7.

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