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Endoskopische Befunde bei Zöliakie (einheimischer Sprue)

Alexander Hann, Benjamin M Walter und Alexander Meining - Ulm

Die Zöliakie, welche auch einheimische Sprue genannt wird, ist eine autoimmune Dünndarmerkrankung hervorgerufen durch den Verzehr von glutenhaltigen Speisen. Klassische histopathologische Befunde der Erkrankung sind vermehrte intraepitheliale T-Lymphozyten in einer Mukosa mit abgeflachtem Zottenrelief und Kryptenhyperplasie.

Traditionell wird die Zöliakie mittels einer Kombination aus Duodenalbiopsien und serologischer Tests diagnostiziert (1). Seit dem Einzug von Endoskopen ausgestattet mit Narrow Band Imaging (NBI) und Nahfeldfokus in die tägliche Praxis gelingt die Visualisierung der Duodenalmukosa und deren Pathologien in einer bisher nicht erreichten Detailstufe (2–4). Endoskopische Merkmale der Zöliakie im Duodenum sind der Verlust von Falten, Fissurenbildung auf den Faltenkämmen und das noduläre Erscheinen der Mukosa (Tabelle 1). Im Vergleich zu der normalen Mukosa, welche mit fingerförmigen Zotten bedeckt ist zeigt die Zöliakie abgeflachte, teilweise fehlende Zotten. Die Dünndarmzotten können durch den Einsatz von Wasser während der Untersuchung näher untersucht werden. Hierzu wird zuerst die insufflierte Luft abgesaugt und im Anschluss 90 bis 150 mL Wasser in das Lumen verabreicht. Hierdurch werden die Oberflächendetails der Mukosa verstärkt und somit besser visualisiert. Durch den Einsatz solcher Techniken können Areale des Befalls genauer identifiziert und einer gezielten Biopsie zugeführt werden (5,6). Die bioptische Diagnosesicherung ist insbesondere wichtig, da es viele Erkrankungen gibt welche eine Zöliakie nachahmen können (7).

Normal duodenal mucosaCeliac disease MARSH 3
FaltenRegelhaftFaltenverlust
Fissuren auf Faltenkämmen
Noduläre Schleimhaut (Felderung)
ZottenAbgeflacht im Trockenen
Fingeförmig
Richten sich bei Wasserinstallation auf
Zottenverlust

Tabelle 1: Endoskopische Charakteristika der Zöliakie im Dünndarm im Vergleich zur normalen Mukosa

 

Normalbefunde Duodenalfalten und –zotten

Abbildung 1: Linkes Bild zeigt regelhafte Duodenalfalten mit normalen, fingerförmigen Zotten im rechten Bild, welches mittels NBI und Nahfeldfokus aufgenommen wurde.

Abbildung 2: Linkes Bild zeigt im semitrockenen Zustand flach anliegende Zotten, welche sich nach Gabe von 100 mL Wasser im rechten Bild aufrichten. Beide Aufnahmen sind mittels NBI und Nahfeldfokus aufgenommen.

 

Zöliakie im MARSH-Stadium 3

Abbildung 3: Linkes Bild zeigt Duodenalfalten mit Fissuren auf den Kämmen und eine noduläre Schleimhaut. Bei näherer Betrachtung der Mukosa zeigt sich im rechten Bild ein kompletter Zottenverlust. Beide Bilder wurden mittels NBI aufgenommen.

Abbildung 4: Linke Abbildung zeigt neben fehlender Dünndarmfalten eine Felderung der Mukosa. Durch den Einsatz von NBI und Nahfeldfokus im rechten Bild lässt sich in diesem Schleimhautareal eine Zottenatrophie visualisieren.

Abbildung 5: Im linken Bild zeigen sich fissurale Veränderungen der Dünndarmfalten welche bei näherer Betrachtung mittels NBI und Nahfeldfokus im rechten Bild ein Fehlen der Dünndarmzotten erkennen lassen.

 

Veränderungen des endoskopischen Bildes unter glutenfreier Diät

Abbildung 6: Die zwei oberen Bilder entstanden bei der Erstdiagnose einer Zöliakie. Im oberen linken Bild zeigen sich Dünndarmfalten mit feinen Fissuren. Bei der Untersuchung von betroffenen Arealen mit NBI und Nahfeldfokus lässt sich ein kompletter Verlust von Dünndarmzotten im oberen rechten Bild demonstrieren. Die unteren zwei Bilder entstanden nach Einhalten von glutenfreier Diät über fünf Monate. Unten links sind keine Fissuren mehr erkennbar und die Dünndarmzotten zeigte sich im unteren rechten Bild mittels NBI und Nahfeldfokus zwar noch als relativ klein, jedoch deutlich gebessert im Vergleich zum Vorbefund.

 

Literaturangaben

  1. Mooney PD, Hadjivassiliou M, Sanders DS. Coeliac disease. BMJ. 3. März 2014;348:g1561.
  2. Ianiro G, Bibbò S, Pecere S, Gasbarrini A, Cammarota G. Current technologies for the endoscopic assessment of duodenal villous pattern in celiac disease. Comput Biol Med. 1. Oktober 2015;65:308–14.
  3. Cammarota G, Martino A, Pirozzi GA, Cianci R, Cremonini F, Zuccalà G, u. a. Direct visualization of intestinal villi by high-resolution magnifying upper endoscopy: a validation study. Gastrointest Endosc. November 2004;60(5):732–8.
  4. Lo A, Guelrud M, Essenfeld H, Bonis P. Classification of villous atrophy with enhanced magnification endoscopy in patients with celiac disease and tropical sprue. Gastrointest Endosc. August 2007;66(2):377–82.
  5. Hurlstone DP, Sanders DS. High-magnification immersion chromoscopic duodenoscopy permits visualization of patchy atrophy in celiac disease: an opportunity to target biopsies of abnormal mucosa. Gastrointest Endosc. November 2003;58(5):815–6.
  6. Valitutti F, Oliva S, Iorfida D, Aloi M, Gatti S, Trovato CM, u. a. Narrow band imaging combined with water immersion technique in the diagnosis of celiac disease. Dig Liver Dis Off J Ital Soc Gastroenterol Ital Assoc Study Liver. Dezember 2014;46(12):1099–102.
  7. Shah VH, Rotterdam H, Kotler DP, Fasano A, Green PH. All that scallops is not celiac disease. Gastrointest Endosc. Juni 2000;51(6):717–20.

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