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Fallbericht: Befundkonstantes Strahlen-Ulkus nach selektiver interner Radiotherapie (SIRT)

Dörte Wichmann und Ulrike Schempf

Die SIRT ist eine nuklearmedizinische, interventionelle Therapieoption nicht resezierbarer primärer Lebertumore und -Metastasen. Mikrosphären als Träger eines ß-Strahlers (Yttrium 90) werden intraarteriell im Tumorgewebe platziert. Die lokale Strahlenwirkung erreicht ca. 11 Millimeter um die Mikrosphären. Es handelt sich um eine zielgerichtete Tumor-Behandlung, da hepatische Tumore meistens arteriell versorgt werden, das normale Lebergewebe sein nährstoffreiches Blut hingegen überwiegend aus der Pfortader bezieht.

Der postinterventionelle Abtransport der Mikrosphären aus der Leber in Nachbarorgane kann schwerwiegende Komplikationen verursachen. Standardisiert werden Leber-MRT und Angiographie des Oberbauches durchgeführt, um eventuelle Shunts auszuschließen und diese ggf. angiographisch zu verschließen.

Wir berichten über einen 46-jährigen Patienten mit einem HCV-assoziierten, multilokulären, hepatozellulären Karzinom. Eine Sorafenib-Therapie musste bei massiven Nebenwirkungen abgebrochen werden. Im interdisziplinären Tumorboard wurde die SIRT empfohlen. Die Applikation der Mikrosphären erfolgte zweimalig im Februar und April 2016, jeweils nach den entsprechenden Voruntersuchungen.

Im Oktober 2016 entwickelte der Patient eine OGI-Blutung. In der Gastroskopie fand sich ein fibrinbedecktes Kardia-Ulkus minorseitig von 2x2cm Größe. Das Ulkus wurde biopsiert und im histologischen Präparat fanden sich multiple Mikrosphären. Im Verlauf wurden bei Ulkus-Blutungen endoskopische Interventionen nötig. Aufgrund progredienter Ösophagusvarizen wurde der Patient engmaschig kontrolliert, so dass wir eine 12-monatige Verlaufsdokumentation des Strahlenulkus vorstellen können.

Bilder:

1. Histologie 10.16., HE-Färbung, 100x Vergrößerung: Sichtbare Mikrosphären im gastralen Biopsat
1. Histologie 10.16., HE-Färbung, 100x Vergrößerung:
Sichtbare Mikrosphären im gastralen Biopsat
2. ÖGD 10.2016, Inversion, Blick auf die Kardia
2. ÖGD 10.2016, Inversion, Blick auf die Kardia
3. ÖGD 02.17, Inversion, Blick auf die Kardia
3. ÖGD 02.17, Inversion, Blick auf die Kardia
4. ÖGD 03.2017, Inversion, Blick auf die Kardia
4. ÖGD 03.2017, Inversion, Blick auf die Kardia
5. ÖGD 09.2017, Inversion, Blick auf die Kardia
5. ÖGD 09.2017, Inversion, Blick auf die Kardia

Literatur:

  1. Crowder CD, Grabowski C, Inampudi S, Sielaff T, Sherman CA, Batts KP. ‘Selective Internal Radiation Therapy-induced – Extrahepatic Injury an Emerging Cause of Iatrogenic Organ Damage’. American Journal of Surgical Pathology 2009; 33: 963–975.
  2. Sangro B, Martinez-Urbistondo D, Bester L, Bilbao JI, Coldwell DM, Flamen P, Kennedy A, Ricke J, Sharma RA. ‘Prevention and Treatment of Complications of Selective Internal Radiation Therapy: Expert Guidance and Systematic Review’. Hepathology 2017; 66: 969–982.
  3. Abdel-Rahman OM, Elsayed Z. ‘Yttrium-90 microsphere radioembolisation for unresectable hepatocellular carcinoma’. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Feb 16; 2: CD011313 doi: 10.1002/14651858.CD011313.pub2.

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