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Kontrollintervalle nach Polypektomie im Kolon

Dr. med. Benjamin Walter, Universitätsklinikum Ulm

Die Koloskopie ist das zuverlässigste Verfahren zur Detektion kolorektaler Karzinome und Polypen. Ziel einer Koloskopie muss das Erreichen eines polypenfreien Darms (clean-colon) sein, d.h. alle relevanten Polypen sollen vollständig entfernt werden. Die histologische Befundung der entfernten Polypen soll neben dem Wuchstyp eine Aussage zur Vollständigkeit der Abtragung (R0) beinhalten.

Neben der „klassischen Adenom-Karzinom-Sequenz“ existieren weitere Pfade der Karzinomentwicklung. Zum einen der sog. „serratierte Karzinogeneseweg“, als dessen Vorläuferläsion die Entität der sessil serratierten Läsion (SSL), bislang  sessiles serratiertes Adenom (SSA) genannt, betrachtet wird.  Zum anderen ein „Mischtyp“, der molekulare Charakteristika der beiden anderen Karzinogenesewege vereint: Dessen Vorläuferläsionen können wiederum das traditionelle serratierte Adenom (TSA) oder auch villöse Adenome sein.

Ein Problem stellen „Intervallkarzinome“ dar. Dies sind Tumore die im Intervall zwischen zwei Vorsorgekoloskopien auftreten. Intervallkarzinome sind großenteils auf übersehene Läsionen („missed adenoma“) zurückzuführen. Weitere Faktoren sind die inkomplette Polypektomie, eine fehlende Nachkontrolle, sowie schnell wachsende sogenannte De novo-Tumore.

Die Festlegung der Untersuchungsintervalle nach Polypektomie hängt vom individuellen Risiko des Patienten ab. Das Risiko hängt entscheidend damit von der Anzahl, der Größe und Histologie der entfernten Adenome ab. Hierbei werden sessil serratierte Läsionen (SSL) wie Adenome behandelt.

Diese Nachsorge-Empfehlungen gelten nach der Index-Koloskopie, sowohl im Bereich der Vorsorge (erstmals bei Männer ab dem 60., bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr) wie auch im Bereich der diagnostischen Koloskopie unabhängig vom Alter. Individuelle Intervalle können bei deutlich jüngeren Patienten (z.B. unter 40 Jahren) individuell erwogen werden. Eine Stellungnahme für Patienten mit erhöhtem familiärem Risiko beinhaltet die Leitlinie nicht.

Eine einschränkende Bemerkung muß zu den beiden letzten Punkten der Grafik (nicht sicher vollständige Abtragung) gemacht werden: Im Alltag  wird in den pathologischen Berichten hierzu oft keine Stellung genommen, oder es kann eine sichere R0-Abtragung nicht garantiert werden. Die Konsequenz einer strengen Beachtung der Leitlinie auf Seiten von Pathologie und Endoskopie würde daher zu einem massiven Anstieg der Nachsorge-Koloskopien führen.

Z Gastroenterol 2013; 51(8): 753-854 DOI: 10.1055/s-0033-1350264

Aktualisierte Version: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom Langversion 2.1.–Januar2019AWMF-Registernummer:021/007OL

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