Endoskopische Gastroplikatur – ein Einblick in die endoskopischen Adipositastherapien

Die Adipositas wurde 2022 von der WHO als epidemische Erkrankung mit Maximum im europäischen und gesamt-amerikanische Raum bezeichnet [1]. Laut dem Sachstandsbericht Adipositas 2022 waren in Europa 59% der Erwachsenen und knapp ein Drittel aller Kinder und Jugendlicher übergewichtig (BMI > 25kg/m2) bzw. adipös (BMI > 30Kg/m2). Dabei werden Übergewicht und Adipositas in der europäischen Region mit 1,2 Mio. assoziierten Todesfällen für ca. 13% der Gesamtsterblichkeit verantwortlich gemacht [1, 2]. In Deutschland stellen sich die Zahlen laut dem RKI wie folgt dar: 46,6% der Frauen und 60,5% der Männer sind von Übergewicht und Adipositas betroffen [3].

Eine reine diätische Optimierung bei bestehender Adipositas ist nur selten erfolgreich. Lebensstil-Interventionen mit Ernährungsberatung, körperlichem Training und psychologischer Betreuung erzielen bessere Resultate, schwanken aber individuell erheblich und liegen bzgl. des Abnehmerfolges im Bereich von 3-10% Gewichtsverlust (Total Body-Weight-Loss = TBWL) [4].

Medikamentöse Therapien der Adipositas sind auf dem Vormarsch. Die Glukagonlike-Peptid-1 (GLP-1)-Analoga haben, ursprünglich als Antidiabetika entwickelt, durch einfache Anwendung (1x wöchentlich s.c. Applikation bzw. 1x/d p.o.) und erschwingliche Kosten eine weite Verbreitung gefunden [5, 6]. Die erreichbaren Resultate durch die GLP-1-Analoga sind beträchtlich. Es können bis zu 15% bis 21% TBWL erreicht werden [7]. Wie sich das Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil in der Langzeitanwendung verändert und was die Langzeitfolgen sind, ist aktuell Forschungsgegenstand. Es gibt die Kehrseite der nicht ärztlich betreuten Therapieanwendungen, die durch vielfältige Online-Angebote begünstigt werden. Die Leitlinie „Therapie und Prävention der Adipositas“ empfiehlt ganz klar eine Kombination der medikamentösen Therapie mit der multimodalen Basistherapie zur Gewichtsreduktion [8].

Die Leitliniengerechte Behandlung der Adipositas ist Inhalt der „S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ in letzter Bearbeitung von 2018 [9]. Hier wurden der Magen-Ballon (MB) und endoskopische Nahtverfahren paper endoskopisch-bariatrische Verfahren benannt, jedoch aufgrund der geringen Datenlage (außer MB) nicht empfohlen und in ihrer Anwendung und Wirkweise nicht dargestellt. Empfohlene Therapie-Optionen sind entsprechend der S3-Leitlinie von 2018 der laparoskopische Schlauchmagen (Laparoscopic Sleeve-Gastrectomy = LSG) mit 25% bis 30% TBWL und der Roux-en-y-gastric Bypass (RYGB) mit 31% bis 45% TBWL [9-11].

Für die primäre endoskopische, bariatrische Therapie existieren zahlreiche Optionen, die in Deutschland aufgrund der genannten Empfehlungen durch die Fachgesellschaften, nur eine untergeordnete bis keine Rolle spielen. Eine detaillierte Vorstellung der zugelassenen endoskopischen Therapieoptionen für die primäre, bariatrische Anwendung ist in dem gemeinsamen Positionspapier von ASGE und ESGE von 2024 zu finden [12]. Angemerkt sei hier, dass im Bereich der primären endoskopischen Therapie aktuell weitere Produkte und neue Prozeduren zu erwarten sind (z. Bsp. der EndoZip [13] und ablative Verfahren).

In dem vorliegenden Artikel soll der Fokus auf der endoskopischen Gastroplikatur liegen, die durch eine Volumenreduktion und Anpassung der Anatomie zu einem schnelleren Sättigungsgefühl und verzögerter gastraler Passage und somit zur Gewichtsreduktion führen kann. Die Gastroplikatur wird auch als gastrales Remodeling bezeichnet. Essentielle Schritte für die Durchführung der endoskopischen Gastroplastie wurden im Rahmen eines Delphi-Konsensus kürzlich publiziert [14].

Es stehen aktuell drei Verfahren für die endoskopische Gastroplastie in Deutschland zur Verfügung.

  1. Die Firma Boston Scientific Corporation (BSC, Marlborough, Mass; USA) bietet das vormals durch Apollo Endosurgery verbreitete, nun optimierte Overstitch System NXT an. Das NXT-System ist kompatibel mit jedem diagnostischen Gastroskop (Abbildung 1A). Es bietet für die Prozedur zwei zusätzliche Arbeitskanäle, durch die das dazugehörige Armamentarium eingeführt und bedient werden kann. Hierbei handelt es sich um eine endoskopische Nähvorrichtung. Ein Wechsel-Nadelhalter und eine Spirale werden zum Greifen des Gewebes eingeführt. Es werden 6-12 vollwandige Stiche pro Faden durch die Magenwand ausgeführt in geradem Verlauf und als U-Nähte. Wenn diese Naht dann angezogen wird, kommt es zu einer Lumenreduktion und Verkürzung des gesamten Magens. Hierfür werden zumeist 3-5 Nähte verwendet. Die Kollegen der Mayo-Clinic haben das sogenannte MERIT-Protokoll für den endoskopischen Schlauch-Magen (endoscopic sleeve-gastroplication = ESG) publiziert, an welches sich die meisten Anwender halten [15]. Der ESG erzielt in aktuellen Publikationen eine Gewichtsreduktion von 15-20% (TBWL) [15, 16].
  2. Durch USGI Medical (San Clemente, CA; USA) wird das POSE 2.0 Double-Helix-System bzw. POSE 3 oder Mega-POSE vermarktet, eine Weiterentwicklung des POSE-Systems [17]. POSE (primary obesity surgery endoluminal) ist in der Zeit von NOTES (natural orifice transluminal endoscopic surgery) entwickelt worden. Es besteht aus der über typische Handräder abwinkelbaren Basis-Plattform (TransPort), über welche durch 4 integrierte Arbeitskanäle ein Stenose-Gastroskop (bis 6,0 mm AD), zwei Helices und ein Greif-, Stich- und Schneide-Element, der sogenannte G-Prox, eingeführt werden kann (Abbildung 1B). Es resultiert eine Lumen-Reduktion sowie Verkürzung des Gesamt-Magens durch Applikation von 6-8 Fäden durch die Kreation von sogenannte Riesenfalten. Die Stiche werden ebenfalls vollwandig ausgeführt, es soll möglichst Serosa auf Serosa liegen. Die applizierten Fäden reißen bei dem POSE-Verfahren nicht aus, da sie durch eine spezielle Sicherung (Schneeschuhen) in ihrer Position dauerhaft fixiert werden. Es wird eine Gewichtsreduktion von 15-20% TBWL berichtet [17-19].
  3. Das dritte Device für eine endoskopische Gastroplikatur ist das Endomima-System von EndoTools Therapeutics (Charleroi; Belgien). Die resultierende Prozedur wird als E-ESG bezeichnet (Endomima-ESG). Das System ist seit 2019 CE-zertifiziert und für die primäre bariatrische Endoskopie zugelassen. Das System wird im Magen platziert mit dem therapeutischen Gastroskop konnektiert. Es bietet zwei zusätzliche Arbeitskanäle. Auch die Nähte des E-ESG sollen vollwandig Serosa auf Serosa ausgeführt werden (Abbildung 1C). In der multizentrischen Zulassungsstudie von Matteo und Boskoski wurden bei den 142 eingeschlossenen Patienten zwischen 3 und 12 Nähte appliziert, im Mittel 6 Nähte [20]. Die erzielte Gewichtsreduktion nach einem Jahr wurde mit 10-15% TBWL angegeben [20].

Die Komplikationsraten für die endoskopische Gastroplikatur liegen mit 0-5% im niedrigen Bereich (SAE laut IFSO 1,25% [21]). Abdominelle Schmerzen und Oberbauch-Krämpfe zählen zu den häufigsten Komplikationen, ein iatrogenes Blutungsereignis tritt in 0-3% der Prozeduren auf. Die endoskopische Gastroplikatur wird oft als Tages-stationärer Eingriff durchgeführt. Im Sektor von Privatpatienten und Selbstzahlern weisen die Patienten ein geringes Potential für schwerwiegende Komplikationen auf. Empfohlen wird die endoskopische Gastroplikatur für Patienten mit Adipositas Grad I und II, also einem BMI < 3 [12, 21].

Für die nachbetreuenden, endoskopierenden Kollegen ist die Information über eine vorangegangene Gastroplikatur essentiell. Durch die benannten Aspekte der verzögerten Nahrungspassage muss auf eine verlängerte Nüchternzeit hingewiesen werden bei bestehendem Aspirationsrisiko. Der endoluminale Befund nach Gastroplikatur kann stark variieren. Teilweise freies Nahtmaterial oder das Auffinden der Fixierungs-Elemente ist möglich [22]. Relevant für die nachbefundenden Kollegen ist die Volumenreduktion und Verkürzung des Magens. Es wird stets die große Kurvatur „gerafft“. Der Fundus bleibt bei dem aktuellen Verfahren unangetastet. Grundsätzlich bleibt die Regelanatomie bei allen Gastroplikatur-Verfahren unverändert vorhanden und es resultiert keine Malabsorption.

Eine Kombination der nebenwirkungs- und komplikations-armen endoskopischen Gastroplikatur und der medikamentösen Adipositas-Therapie kann zu gleichwertigen Resultaten im Vergleich zur klassischen operativen Adipositaschirurgie führen [10, 21, 23, 24]. Entsprechend den NOTES-Kriterien wird die Bauchhöhle bei den geschilderten Verfahren nicht eröffnet und potentielle Operationsassoziierte Risiken sind ausgeschlossen.

Die Frage, wie sich zukünftig die Therapien von übergewichtigen und adipösen Patienten gestaltet werden, kann aktuell nicht abschließend beantwortet werden. Da ein Großteil der Patienten mit Übergewicht und Adipositas < 3 nicht operiert werden können und die Krankheitslast stetig weiter steigt, wird eine Zunahme der endoskopischen und medikamentösen Therapieoptionen erwartet.

A
B
C

Abbildung:
Entsprechend [12] dargestellte Gastroplastie-Systeme und deren Wirkweise

Abbildung aus:

Quellenverweise:

  1. WHO. WHO European Regional Obesity Report 2022. 2022; Available from: https://www.who.int/europe/publications/i/item/9789289057738.
  2. Abu Dayyeh, B., C. Stier, and I.B.E. Committee, Obesity in Adolescents. N Engl J Med, 2023. 389(14): p. 1343.
  3. Koch-Institut, R., Dashboard zu Gesundheit in Deutschland aktuell – GEDA 2019/2020. 2022: Berlin.
  4. Chan, K.S., et al., Comparison of Weight Loss and Improvement in Metabolic Comorbidities Between Endoscopic Gastroplasty and Lifestyle Modifications: A Meta-analysis. Surg Laparosc Endosc Percutan Tech, 2025. 35(3).
  5. Moiz, A., et al., Mechanisms of GLP-1 Receptor Agonist-Induced Weight Loss: A Review of Central and Peripheral Pathways in Appetite and Energy Regulation. Am J Med, 2025. 138(6): p. 934-940.
  6. Kachmar, M., et al., Multi-modal neo-adjuvant anti-obesity medications may be more effective than medically supervised weight loss or GLP-1 therapy alone in preparing BMI>/=70 patients for metabolic surgery. Int J Obes (Lond), 2025.
  7. Singh, A. and S.E. Nissen, Contemporary Management of Obesity: A Comparison of Bariatric Metabolic Surgery and Novel Incretin Mimetic Drugs. Diabetes Technol Ther, 2024. 26(9): p. 673-685.
  8. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. 2024, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001: Germany.
  9. S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. 2018, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/088-001: Germany.
  10. Dankar, R., et al., Endoscopic Sleeve Gastroplasty Versus Laparoscopic Sleeve Gastrectomy: A Comparison in Effectiveness and Safety Profile. Asian J Endosc Surg, 2025. 18(1): p. e70050.
  11. Thobie, A., et al., Comparison between total weight loss and other metrics after bariatric surgery using a multilevel mixed-effects linear regression model. Surg Endosc, 2024. 38(7): p. 3684-3690.
  12. Jirapinyo, P., et al., American Society for Gastrointestinal Endoscopy-European Society of Gastrointestinal Endoscopy guideline on primary endoscopic bariatric and metabolic therapies for adults with obesity. Endoscopy, 2024. 56(6): p. 437-456.
  13. Sharaiha, R.Z., EndoZip: Are we ready for robotic systems in obesity? Gastrointest Endosc, 2025. 101(4): p. 828-829.
  14. Joseph, S., et al., Endoscopic sleeve gastroplasty: the identification of the key procedural steps through a modified Delphi method. J Gastrointest Surg, 2024. 28(7): p. 1132-1136.
  15. Abu Dayyeh, B.K., et al., Endoscopic sleeve gastroplasty for treatment of class 1 and 2 obesity (MERIT): a prospective, multicentre, randomised trial. Lancet, 2022. 400(10350): p. 441-451.
  16. Hanscom, M., et al., Endoscopic Sleeve Gastroplasty for the Treatment of Metabolic Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis. Obes Surg, 2025. 35(6): p. 2092-2100.
  17. Jense, M.T.F., et al., The POSE-2 Procedure for People with Obesity: A Safe and Effective Treatment Option. Obes Surg, 2024. 34(10): p. 3686-3693.
  18. Finze, A., C. Stier, and C. Reissfelder, [POSE-2 for patients with obesity: a safe and effective treatment option]. Chirurgie (Heidelb), 2024. 95(11): p. 934-936.
  19. Al Khatry, M. and B.K. Abu Dayyeh, The Primary Obesity Surgery Endoluminal 2.0 Enfolding Technique (POSE 2.0et): Modification to Enhance Efficiency and Increase Restriction. Obes Surg, 2023. 33(6): p. 1953-1954.
  20. Matteo, M.V., et al., Prospective, single-arm multicenter, international, observational postmarket study to assess the safety and efficacy of a triangulation platform for treating patients requiring endoscopic gastroplasty. Gastrointest Endosc, 2025. 101(1): p. 106-116 e1.
  21. Dayyeh, B.K.A., et al., IFSO Bariatric Endoscopy Committee Evidence-Based Review and Position Statement on Endoscopic Sleeve Gastroplasty for Obesity Management. Obes Surg, 2024. 34(12): p. 4318-4348.
  22. Bove, V., et al., Stalactites and Stalagmites in the Stomach after Endoscopic Sleeve Gastroplasty. J Gastrointestin Liver Dis, 2022. 31(3): p. 269.
  23. Haseeb, M., et al., Semaglutide vs Endoscopic Sleeve Gastroplasty for Weight Loss. JAMA Netw Open, 2024. 7(4): p. e246221.
  24. Jirapinyo, P., A. Jaroenlapnopparat, and C.C. Thompson, Efficacy of anti-obesity medication (AOM) and endoscopic gastric remodeling (EGR): Analysis of combination therapy with optimal timing and agents. Endosc Int Open, 2024. 12(12): p. E1458-E1464.

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